Christliche Bruderschaft ist nicht ein Ideal, das wir zu verwirklichen hätten, sondern eine von Gott in Christus geschaffene Wirklichkeit, an der wir teilhaben dürfen.           (D.Bonhoeffer)


Ein Haus der Gastfreundschaft Sein

 

Wieder geht es darum, dass wir in unserem Miteinander ein Haus bilden. Ein Haus, das JESUS baut. Dies ist zugleich als Verheißung und Auftrag. 

Die Bibel spricht davon, dass wir unser Bürgerrecht – also unser ewiges Zuhause, unsere Heimat – im HIMMEL und nicht auf dieser Erde haben. Hier bleiben wir Pilgernde, Reisende und manchmal auch Ringende – denn wir sind zwar in dieser Welt aber nicht von ihr.

Wir sind ihrer Identität, ihrer Kultur und ihrer Ökonomie nicht länger unterworfen. 

Wir sind Anders-Personen, ein Anders-Ort, eine Anders-Kultur und besitzen eine Anders-Ökonomie (ein anderes Bewerten und Aufrechnen der Dinge und Mühen).

So bilden wir dieses Haus der Gastfreundschaft zwar auf Erden aber nicht irdisch gesinnt. 

Wir bilden eine Gemeinschaft der miteinander Pilgernden, von Freunden, von Menschen, die von Gottes Geist immer mehr zu SEINER Freundlichkeit und Freundschaftsfähigkeit verwandelt werden.

Hier klingt die aktuelle  Jahreslosung  an: „Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben.“ und weiter „Ja, ich will MEINEN Geist in euer Inneres legen und ich werde solche aus euch machen, die in MEINEN Satzungen wandeln und MEINE Gebote halten, dass ihr sie befolgt und tut. (…) Und ich will euch befreien von ALLEN euren Unreinheiten (…). Nicht um euretwillen will ich dies tun, sondern um MEINES Namens Willen!“ (Hes. 36, 26-27. 29a.32a)

ER ist und bleibt Quelle und Ziel. Das ist total gnadenvoll, auch wenn Hesekiel sehr deutliche Worte verwendet.

Hierin ist SEIN Versprechen für alle Prozesse in unserem Miteinander DER zu SEINER Art, SEINER Liebe, SEINEM Erbarmen, SEINER Gnade, SEINER Vergebungsbereitschaft Befähigende zu sein. 

Wir hören ebenfalls das Versprechen, dass ER uns befähigt den Spagat zwischen Haus-Sein – also etwas Befestigtes, Verbindliches, Kontinuierliches, Tragendes und mit einer gewissen Struktur versehenes – und doch miteinander Pilgernde – also lebendig Vertrauende, Veränderungsfähige und Loslassende, nicht aus Angst oder Bedürftigkeit Kontrollierende  -  irgendwie hinzubekommen.

Und damit auch die Verheißung, dass ER in unserem Miteinander das Wirklichkeit werden lässt, was jemand vom Gebetshaus Augsburg im Gebet für Bethanien gesehen hat: In unserer Mitte entstand/war eine Art Herdfeuer (ähnlich der Fukolarbewegung), an dem sich Menschen wärmen.

Da ist die Zusage, dass SEIN Versprechen - „ICH reiche aus!“-  uns befähigt das zu leben, was eine Selbitzer Schwester im Gebet als unseren Herzschlag gesehen hat: Ein Bettler liegt in zerlumpten Kleidern auf der Strasse und versucht sich mit seinem verschlissenen Mantel zu wärmen und zu schützen. Dann kommen wie aus dem Nichts drei Hände und breiten ein warmes, rotes Tuch wie eine Decke über diesem Mann aus. Geborgen kuschelt er sich in diese Decke und schläft ruhig ein. Obwohl sich an seiner äußeren Situation nichts geändert hat, so hat doch diese Decke der Liebe und Gnade und Fürbitte alles verändert:  Der Friede Gottes kam und barg diesen Mann in sich selbst und dort wo vorher Mangel war, war plötzlich keine Armut mehr.

Auch wenn in diesem Bild für mich Mt. 24, 34-40 – im Nächsten, der hungrig, bedürftig, arm, nackt, krank und gefangen ist, Christus zu sehen und ihm als wäre er Jesus zu dienen- mitschwingt, so tut es das doch mit dem Grundton eines sanften Jochs und einer leichten Last und dem Ausreichen unserer Ressourcen.

Und wir hören eine Verheißung bezüglich dessen, wie Jesus in unserem Miteinander Gestalt annehmen möchte, damit wir HABEN, was wir zu geben berufen sind: 

Als der, der ALL unsere Unreinheit wegnimmt;

als der, der UNSER Friede ist und uns gänzlich darin bergen will;

als der, der ALL unsern Mangel ausfüllt, so dass alle Armut weicht; 

als der, der DIESES Haus der Gastfreundschaft zuerst mit SICH und SEINER Freundschaft und Gastfreiheit versorgt!

Ja, wir dürfen HABEN bevor wir geben, wir dürfen GESÄTTIGT sein, bevor wir teilen, wir dürfen unsere erste Schale bis zum ÜBERFLIEßEN von IHM füllen lassen, bevor sie überströmt in die zweite und dritte Schale. 

Das ist die Motivation und die Blickrichtung mit der wir diesen Aspekt unserer Berufung betrachten.