Glühende Herzen - oder Was ich vom Weihrauch lernen kann...

Glühende Herzen - oder Was ich vom Weihrauch lernen kann...

 

Einmal wollte ich im Gebetsraum auf schon verglühter Kohle Weihrauch verbrennen. Dazu streute ich die Weihrauchkügelchen auf die schon zu Asche zerfallenen Kohlstücken und entzündete sie. Tatsächlich fing der Weihrauch mit einer kleinen Flamme zu brennen an. Die ätherischen Öle jedoch verbrannten, ohne ihre Aromen zu öffnen und ihren Wohlgeruch verströmen zu können.

Und als ich die Flamme anblies, entstand zwar Rauch – allerdings

war dieser schwarz und stank gewaltig. Tags zuvor hatte ich es richtig gemacht. Sorgfältig hatte ich die Kohle komplett durchglühen lassen, gewartet und von Zeit zu Zeit sie etwas angeblasen, bis sie ganz glühend war. Auf diese glühenden Kohlen hatte ich den Weihrauch gestreut. Dieser verbrannte nicht, sondern seine Aromen öffneten sich und er verströmt weißen, wohlriechenden Rauch.

Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich von diesem Erlebnis mit dem Weihrauch etwas für mein geistliches Leben lernen kann:

1. Die glühenden Kohlen repräsentieren die Glut der ersten Liebe auf dem Altar meines Herzens.

Damit diese Kohlenstücke wirklich glühen, braucht es die Kombination aus Sorgfalt, Geduld, Feuer und Sauerstoff. Geduld und Sorgfalt sind von Nöten, damit das Feuer gleichmäßig die ganze Kohle ergreift und diese gänzlich glüht, ohne, dass etwas ausgespart wird. Die absolut hingegebene Liebe Jesu bewirkt das mit der Kohle meines Herzensaltars. Jesus kennt das rechte Maß, mit dem das Feuer der Heiligung und Läuterung mein Leben erfasst. Er weiß was wann dran ist und sieht bis in die tiefsten, verborgenen Winkel meines Seins.

Er kennt jede Regung meines Herzens. Er bewirkt durch sein Feuer und den Hauch seines Geistes alle Heiligung, alles sich der Welt für

gestorben Halten, alles nicht das eigene Reich und die eigene Gerechtigkeit Suchen usw. in mir. Es ist SEIN Werk.

Gott sei Dank  - die Kohle muss sich nicht selbst entfachen und zum Glühen bringen!

Mein Job ist es, mich dem beständigen Wehen des Geistes immer wieder auszusetzen und durch SEINE Hilfe nicht gleich wieder vom

Altar zu "hopsen", wenn's mal ein bisschen heißer wird. Dann beginnt die Kohle zu glühen. Dabei wird sie erstaunlich heiß und ganz und gar schneeweiß. Aller Ruß – alles eigene Streben, Trachten, Können und Wollen; alle eigenen toten Werke des Fleisches- wird von dieser Hitze versengt. Erst in DIESEM Stadium kommt der Weihrauch auf die glühende Kohle. Denn erst jetzt können sich seine Aromen öffnen und sich sein Wohlgeruch ungehindert verströmen.

2. Der Weihrauch steht für mich zum einen für Lob, Anbetung und priesterliche Fürbitte. Zum anderen für alles, was ich Gott hingeben und verschwenderisch über ihm ausgießen will oder kann (die Werke, die Gott für uns zuvor bereitet hat – vgl. Eph. 2,10). Spannender Weise wird auch der Weihrauch von außen auf die Kohle gelegt – auch diese Werke und Opfergaben sind letztlich nicht mein Eigen – weder mein eigen Erworbenes oder Hervorgebrachtes, noch mein Eigentum.

Trifft also der Weihrauch, alles womit ich auf dem Fundament Christi aufgebaut habe und alles, was mir in meinem Leben kostbar ist (Familie, Freunde, Gaben...), auf ein geläutertes, glühendes Herz, so steigt das im Inneren eingeschlossene Parfum all dieser Gaben zu Gott als Wohlgeruch auf. Der Zustand meines Herzens also macht den Unterschied bezüglich der Qualität meines als Opfer dargebrachten Lebens. Liebe ich diese Welt indem ich mein Ego pflege, meine Gerechtigkeit mit Haut und Haaren verteidige, mich mit meinen Wünschen, Sehnsüchten, Bedürfnissen und Ansprüchen zum Zentrum meiner Beziehungen zu anderen Menschen erhebe, meinen Gelüsten fröne und meinen Egoaltar mehr liebe als alles andere (zugegeben, darin bin ich oft erschreckend gut) –

verhindert das das Glühen meiner Herzenskohle. Zumindest in dem Maße, wie ich daran festhalte und Jesus nicht erlaube mit seinem

Feuer meinen Lebensruß zu verbrennen. Das wiederum verhindert das Freigesetztwerden der Aromastoffe des Weihrauchs und am Ende bleibt Gestank übrig. Das Material, mit dem ich auf Jesus, dem Grundstein, aufgebaut habe bleibt nur Stroh und Holz, was vom Feuer völlig verzehrt wird. Auf diese Weise höre ich 1. Kor. 13 nicht allein als  ein wunderbares Liebeswort, sondern mit neuem Ernst. Es geht um was - das wird mir immer bewusster. Nicht in einer angstmachenden, druckausübenden Weise. Aber mein Leben allgemein und meine Nachfolge ist kein Spiel. Das ist aufregend und ehrfurchtgebietend zugleich....

So wird es für mich immer tiefer wahr, dass alle Gaben, alle Hingabe und Opferbereitschaft und alle Leistungen nichts nützen, wenn mein

Herzensaltar nicht mit der ersten Liebe brennend erfunden wird ("Wenn ihr aber eure Leiber als Opfer verbrennen lasst und habt die Liebe nicht..."). Es ist eben auch einfach wahr, dass ein Christ, eine Gemeinde oder Gemeinschaft, der Leib Christi als solches, arm und blind ist – so er nicht mehr IN der ersten Liebe gegründet ist und diese nicht mehr in seinem Herzen glüht (vgl. Offb. 2,4).

3. Ich höre darin aber nicht nur die Ernsthaftigkeit, dass es um etwas geht, sondern auch das eifersüchtige Herz meines ungezähmten Gottes.

Ich bin SEIN. Wir als Braut sind SEIN. Ich begreife immer mehr, dass es in meinem Leben nicht um mich, sondern um IHN geht. Paradoxer Weise gewinne ich tatsächlich am meisten, je mehr ich mich an Ihn verschenke. Je mehr ich mich loslasse, desto mehr werde ich gefunden. Je mehr ich zulasse, dass Er meinen Herzens- und Lebensruß hinwegbläst, desto mehr gewinnt Er Gestalt in mir, womit sich mein eigentlicher Daseinszweck (und mein Glück!) immer mehr entfaltet. Jemand sagte mal: "Am Ende geht es nicht um uns, sondern darum, dass das LAMM GOTTES die Frucht und den Lohn SEINER Leiden erhält - buchstabiert in und durch mein kleines Leben."

DAS ist die Hauptlektion, die ich für mein Leben mit Jesus vom Weihrauch lernen will... (cs)